Esterillos Oeste – oder Perfektion ist eine Illusion

03./04.06.2018

Wir kommen in Esterillos Oeste an. Wir sind in einer kleinen Unterkunft, die sich gerade noch im Auf- bzw. Umbau befindet. Esterillos ist ein kleines verschlafenes Nest mit zwei kleinen Mini-Supermärkten, einer kleinen Soda (Imbiss) und sonst nichts. Wir sind am Strand und irgendwie bin ich innerlich total unruhig, so ging es mir die letzten Wochen eigentlich an jedem Ort. Richtig abschalten konnte ich, wenn überhaupt, immer nur für einen kurzen Moment. Es gab zweifelsohne viele tolle Momente und wunderschöne Orte, die wir bisher erlebt und gesehen haben…aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, wir müssten noch dieses und jenes  sehen oder erleben, noch an diesen Ort fahren oder diese Sehenswürdigkeit abhaken, von der alle schwärmen oder die in den Reiseführern beschrieben werden. Ich bin eigentlich kaum an einem neuen Ort angekommen, schon wieder dabei etwas Neues zu finden und zu organisieren. Da ist die Angst, etwas zu verpassen, weil irgendwo da draußen noch etwas Interessantes, Spannenderes oder noch Schöneres auf uns warten könnte. Die Frage ist, ob das an diesem wundervollen Fleckchen Erde überhaupt noch möglich ist, soviel Schönes wie sich uns hier jeden Tag zeigt.

In unserem Zimmer ist es muffig, meine Laune ist genauso. Hier will ich auf gar keinen Fall bleiben. Hier ist einfach nix los. Das ist paradox…in Jacó war mir alles zu laut, zu viel, zu irgendwas. Hier ist es genauso nur andersherum. Nichts ist irgendwie richtig, aber was soll das eigentlich sein?

Wenn ich mir dann Luca anschaue, bin ich einfach nur fasziniert. Egal wo wir sind oder bereits waren, wenn ich ihn frage, wo er es am schönsten findet, sagt er immer “hier” – also genau da, wo er in diesem Moment ist, weil er einfach immer genau in diesem Moment ist und nicht schon irgendwo anders oder an irgendwelchen Erwartungen festhält, weil er einfach keine Erwartungen hat. Das stimmt mich nachdenklich. Die Wahrheit ist, dass ich womöglich das  Schönste verpasse, wenn ich mir nicht die Zeit nehme, den Moment zu genießen….

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und liege in der Hängematte, bestimmt eine Stunde. Luca schläft noch ganz friedlich. Das habe ich mir in der ganzen Zeit noch nicht einmal gegönnt. Ich will uns mehr Zeit geben für die Dinge, die da kommen sollen, nicht gleich sofort weiterziehen. Meine Absicht für diesen Tag ist, einfach auf mein Gefühl zu hören und darauf zu vertrauen, dass die Dinge kommen, die kommen sollen und wir die Menschen treffen, die wir treffen sollen. Ich frage unsere Gastgeberin nach einem anderen Zimmer, obwohl ich das nur ungern tue, aber es klappt. Wir haben jetzt ein super Zimmer und fühlen und sofort wohl. Ein kanadisches Paar hat ebenfalls die gleiche Unterkunft gebucht wie wir. Wir verstehen uns auf Anhieb. Wir gehen nochmal zu Izu´s Place verabreden uns zum Surfen. Am Abend treffen wir beim Essen Yves aus Berlin. Sie ist für einen Sprachkurs in Jacó und wir quatschen den ganzen Abend. Ich glaube nicht an Zufälle.

Am nächsten Morgen entscheiden wir erstmal zu blieben und es fühlt sich richtig an.

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