Projekt im Taller Naciónal de Danza

Februar – März 2019

Niemand weiß was Tanztherapie ist, das ist meine Erfahrung, die ich in den letzten 6 Jahren meiner Ausbildung gemacht habe. Ich erntete immer wieder fragende Blicke und Stirnrunzeln. Und jeder meint, wir tanzen jetzt unseren Namen. Im Ernst, kann man machen :-), muss man aber nicht. Letzten Endes ist Tanztherapie nicht anderes als eine Form des persönlichen Wachstums (ich mag das Wort Therapie in diesem Kontext nicht, denn ich denke grundsätzlich nicht defizitär, sondern ressourcenorientiert und sehe die Potenziale eines jeden Menschen – du bist nicht krank, sondern deine Seele ruft!), die sich Bewegung und Tanz sowie das Embodiment als Methoden zu Nutze macht. Das heißt in Kurzform: Ein zentraler Punkt ist die Rückverbindung zum Körper, zu den Ressourcen eines Menschen, zu seinem individuellen authentischen Ausdruck in unserer komplexen Welt. Und unser Körper ist ein Wunderwerk, wenn wir lernen ihm wieder zuzuhören. Und dafür brauchst du nicht ein Wort zu sagen, denn dein Körper und deine Bewegungen sprechen bereits Bände. 

Im TND in Sa José bekam ich die Chance unter diesem Aspekt ein soziales Projekt zu betreuen. Es ging darum Menschen aus sozial schwierigen Verhältnissen durch Bewegung und Tanz dabei zu unterstützen, ihre Probleme besser bewältigen zu können. Mit den Instruktoren arbeiteten wir im Rahmen meiner Workshop-Konzeption am gemeinsamen Nenner von Tanz und Therapie. Dem individuellen Ausdruck – und damit treffen wir ein so globales Thema, denn nach meiner Erfahrung hat jeder Mensch das Bedürfnis nach einem sozialen Gefüge und jeder Mensch trägt insgeheim die Angst vor Ablehnung in sich, wenn er sich zeigt, wie er wirklich ist.

Tanz als Möglichkeit kulturelle Brücken zu bauen. Tanz als globale Universalsprache. Tanz als Kommunikation, als Verbindungselement zwischen den Welten. Tanz als Weg der persönlichen Selbsterfahrung und des Wachstums. Tanz als Ressource zur individuellen Weiterentwicklung. Das ist meine Vision. Dafür brennt mein Herz. Endlich konnte ich mit der Umsetzung daran beginnen.

Denn bisher fand ich zu den mir bekannten „klassischen“ Wegen einer tanztherapeutischen Tätigkeit z.B. im klinischen Kontext (hier habe ich ein Jahr lang berufsbegleitend gearbeitet) keinen rechten Zugang, es resonierte nie wirklich. Ich ahnte, dass ich auch an dieser Stelle meine eigenen Maßstäbe würde setzen müssen und angehalten war, von scheinbaren Begrenzungen und Überzeugungen bezüglich des Berufsbildes loszulassen. Die letzten Monate waren eine intensive Auseinandersetzung mit meiner authentischen Version als Tanztherapeutin – sowohl auf mentaler als auch auf physischer Ebene. Oder ganz simpel gesagt, mit meiner Form der Arbeit im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung. Meine Arbeit als Tanztherapeutin ist für mich untrennbar mit Passion und Hingabe, an das was ich tue, verbunden. Nur dann kann sie getragen von Leichtigkeit und Lebendigkeit andere Menschen erreichen und tatsächliche Veränderung bewirken.

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