Und nun?

Oktober 2018

Wieder zurück in Deutschland war auf einmal alles anders als zuvor. Luca wurde eingeschult, unser Familienleben veränderte sich grundlegend. Das Problem ist, wenn du von so einer Reise zurückkehrst, ist alles anders – du kannst unmöglich einfach so unbesehen in dein altes Leben zurückzukehren – oder zumindest konnte ich das nicht. Ich war immer noch in meinem alten Job, wenn auch immer noch innerhalb der Auszeit, wir lebten in dem selben Ort und ich begab mich auf Wohnungssuche für meinen Sohn und mich. Ich war in den letzten Zügen meiner Ausbildung zur systemischen Tanztherapeutin. Zwischenzeitlich begann ich gemeinsam mit Freundinnen Videosequenzen aufzuzeichnen, in denen in all das erlebte in Tanz und Bewegung ausdrückte. Tanz war schon immer mein Vehikel, um zu  meinen Ressourcen und tiefsten Gefühlen vorzudringen und raus aus dem Kopf und hinein in den Körper zu kommen. Ich konnte hierbei mehr als deutlich spüren, dass all die Gefühle von Freude, Leichtigkeit und Lebendigkeit jederzeit und völlig unabhängig von äußeren Umständen, da sein können, sofern du dich dafür entscheidest. In diesem Modus war ich schon immer mit meiner Intuition und neuen Impulsen am tiefsten verbunden. Innen kommt immer vor Außen. Soweit so gut. Während dieses mehrmonatigen Prozesses spürte ich jedoch auch ganz deutlich, dass es mit dieser Reise nicht getan war. Ich wollte mehr über das alltägliche Leben in Costa Rica wissen, mehr über das Real-Life abseits von Urlaub. Natürlich hatten wir bereits viele Kontakte und mittlerweile Freundschaften mit Locals, die uns dabei viele Einblicke ermöglichten, aber die eigene Erfahrung ersetzt das nicht. Ich wollte wissen, ob und wie wir dort leben könnten und wie ich mit meiner Leidenschaft und Profession in Costa Rica beruflich Fuß zu fassen konnte. Und doch war ich gerade dabei wieder auf alte Pfade zurückzukehren… Ich bekam die Zusage für eine Wohnung. In diesem Moment hätte ich mich übergeben können, so beschissen hatte ich mich in diesem Moment gefühlt. 

Ich erbat mir Bedenkzeit. Alles in mir sagte Nein! zu diesem alten Weg. Parallel hatte ich bereits begonnen, nach Möglichkeiten zu suchen, wie ich in Costa Rica arbeiten könnte, denn das ist alles andere als leicht. Und doch fand ich eine Möglichkeit. Ich verlängerte meine Auszeit um ein halbes Jahr, sagte die Wohnung ab, und entschied mich ohne zu wissen, ob und wie es funktioniert, gegen den alten und für einen neuen Weg.

Das Ganze tatsächlich umzusetzen, war der bisher wohl schwierigste Schritt in meinem gesamten Leben. Denn ich ging zunächst allein nach Costa Rica und das auch noch für 4 Monate. Entgegen aller Widerstände meines Umfeldes, entgegen aller Konventionen und Vorstellungen über das Bild einer verantwortungsvollen Mutter in unserer deutschen Gesellschaft. Manchmal war ich von meinen Schuldgefühlen regelrecht überflutet. Dennoch wusste ich, das Ganze hat einen Sinn, es war kein Langzeiturlaub zum Entspannen sondern mit einer konkreten Zielstellung verbunden. Ich war nicht nur auf der Suche nach meiner individuellen Form der Arbeit als Tanztherapeutin, sondern gleichzeitig auch nach unserem ganz persönlichen Lebenskonzept. Zum damaligen Zeitpunkt führte kein Weg zu einer Lösung, wieder gemeinsam aufzubrechen. Wir trafen also die Vereinbarung, dass Luca in dieser Zeit bei seinem Papa sein würde. Es war wohl die schwerste Zeit überhaupt für uns alle, aber ich war getragen von der festen Überzeugung, dass etwas Besseres auf uns warten würde, auch wenn wir davon jetzt noch keinerlei Ahnung hatten.

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